3 | Johannas Neuseeland-Blog: Farmarbeit am Ende der Welt Strandausritte und andere Träume

| 15. November 2015 | 2 Kommentare

Johanna ist aktuell in Neuseeland als Work & Travellerin unterwegs und hat sich dazu entschieden, sich ihren Unterhalt mit der Farmarbeit zu verdienen. Sie liebt Pferde und die Arbeit an der frischen Luft. Sie berichtet regelmäßig hier im Magazin über ihre verschiedenen Etappen, Jobs und Erlebnisse. Zusätzlich hat sie immer wieder nützliche Tipps für andere Working Holiday Maker parat und lässt uns an all ihren Abenteuern teilhaben. In Teil 3 ihrer vor-Ort Berichterstattung erzählt sie von ihrem aktuellen Pferdejob, Voraussetzungen die man für die Farmarbeit mit Pferden erfüllen sollte und welche lohnenswerten Events es rund um das Thema „Pferde“ in Neuseeland gibt.

Zwei Reiterinnen in Neuseeland

Pferde-Jobs in Neuseeland

Für viele Reisende besteht ein großer Reiz darin an endlosen Stränden entlang zu galoppieren oder sich auf einem Pferd durch die wunderschöne Landschaft tragen zu lassen. Passend dafür gibt es unzählige Anbieter für Horse Trekking in Neuseeland und egal ob Anfänger oder Fortgeschritten, für jeden findet sich das passende Pferd und unvergessliche Momente die in Bildern kaum festzuhalten sind. Aber auch wenn man kein Geld dafür ausgeben kann oder möchte muss man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Trekking ist meist teuer (zwischen 45 und 120$ pro Stunde) und man ist Teil einer großen Gruppe die hintereinander herreitet. Auf vielen Farmen und kann man für Kost und Logis arbeiten und entweder in der Freizeit die Pferde reiten oder mit etwas Glück sind Strandausritte Teil der Arbeit.

Der perfekt Job für mich

Auch die zweite Farm habe ich über helpx.net gefunden. In der Beschreibung im Profil heißt es unter anderem: Hi if you are an experienced horse rider and keen to work with young horses then we would like to host you. (Wenn du ein erfahrener Reiter bist und gut mit jungen Pferden arbeiten kannst würden wir dich gerne beherbergen)

Schätze dich ein: Anfänger oder Fortgeschritten?

Mein erster Tipp, für alle, die an Farmarbeit mit Pferden interessiert sind:

„Es ist wichtig seine eigenen Reitfähigkeiten ehrlich enschätzen zu können.“

Am meisten scheinen sich die Farmbesitzer darüber zu beschweren, dass Helfer behaupten sie wären erfahrene Reiter und dann doch nicht mit den Pferden klar kommen.  Selbst wenn man die letzten zehn Jahre einmal in der Woche Reitunterricht auf einem Schulpferd oder dem eigenen Pferd hatte macht das niemanden zu einem erfahrenen Reiter. Die Fähigkeit sich auf viele verschiedene Pferde einstellen zu können ist enorm wichtig. Und natürlich in jedem Gelände reiten zu können, egal ob Wald, Strand, Berge oder Paddock. Wer noch nicht außerhalb von Reithalle oder Platz war sollte also nicht angeben ein erfahrener Reiter zu sein. Es sei denn man bewirbt sich in einem reinen Turnierstall und es ist von vornherein klar wo man reiten wird.

Tipp 2:

„Man sollte offen für alle Trainings-und Reitweisen sein.“

Besonders auf den kleinen Farmen werden Pferde nicht immer so gehalten oder behandelt wie wir es aus Deutschland gewöhnt sind. Es hilft aber niemanden ob man eine Grundsatzdiskussion darüber anfängt ob ein Pferd an der Trense angebunden sein sollte oder nicht. Viele Farmer in Neuseeland nutzen ihrer Pferde für die Farmarbeit und den Pferden macht die Arbeit Spaß. Sie kennen es auch nicht anders. Deswegen ist die Hauptsache, dass man als Helfer seinen Aufenthalt genießt und genauso glücklich ist wie die Pferde. Keinem Farmer ist damit geholfen kritisiert zu werden weil seine Pferde nicht so aussehen wie die in einem deutschen Turnierstall. 

Da ich früh genug angefragt habe war noch ein Helferplatz für mich frei. Nach einigen Emails konnte ich alles so planen, dass ich von der ersten Farm direkt weiter zur nächsten fahren konnte. Dort ging es nach dem Frühstück und Kühe melken los. Mit einigen Zwischenstopps und Pausen war ich ca 7 Stunden später am Ziel. Eine wunderschöne Autofahrt und ein noch schöneres Ziel. Der kleine Ort Waipukurau ist in der Nähe von Hastings und Napier an der Ostküste Neuseelands. Nicht weit von verschiedenen Stränden und nicht ganz so abgeschieden wie die erste Farm. Das Haus ist ein großer Kontrast zu anderen Farmhäusern, sehr ordentlich, aufgeräumt und sauber. Die Gästezimmer gleichem einem Hotelzimmer und es gibt ein eigenes Badezimmer für die Helfer.

Die tägliche Arbeit

Wie auf jeder Farm sieht auch hier die Arbeit jeden Tag anders aus. Vor allem mit Pferden hat jeder Farmbesitzer seine eigenen Vorstellungen. Bruce ist 76 Jahre alt und sein Leben lang Farmer, auf der Farm seiner Eltern und mit Pferden aufgewachsen hatte er selber eine große Schaffarm bevor er vor 13 Jahren etwas kürzer treten musste und auf eine kleinere Farm gezogen ist. Hier in der Nähe von Waipukurau lebt er mit seiner Frau, 14 Kälbern, 2 Hunden (manchmal mit Welpen), nicht zählbaren Stieren, Schafen und ca. 20 Pferden. Von seinem Vater hat er alles über Pferde gelernt und sein Leben lang selber Pferde eingeritten, trainiert und für die Farmarbeit genutzt. Meine Arbeit sollte sich vor allem auf die jungen Pferde konzentrieren, die eingeritten oder trainiert werden mussten. Dazu gehört auch, die Pferde an Wasser und Strände zu gewöhnen.

So ging es nach wenigen Tagen mit jedem Pferd, dass im Paddock ruhig genug war zum Fluss und danach zum Strand. Eine schönere Arbeit kann ich mir kaum vorstellen und ich habe mich die 3 Wochen dort immer gefragt, ob alles nur ein Traum ist und mich bald jemand aufwecken wird. Aber es war alles echt, die Strandausritte, das Schwimmen im Fluss und das Springen ohne Sattel. Nicht nur die Pferde haben viel gelernt und hart gearbeitet sondern auch ich habe eine Menge gelernt und unvergessliche Momente erlebt die in Worten kaum zu beschreiben sind. Neben der Arbeit mit den Pferden habe ich außerdem morgens und abends die Kälbchen gefüttert, mitgeholfen Schafe zu einer Auktion zu fahren, Zäune repariert und den Kühen eine Wurmkur verpasst. Ein weiteres Highlight war es auf einem noch nicht eingerittenen Kaimanawa Pferd zu sitzten. Die Kaimanawas sind die Wildpferde Neuseelands.

Der krönende Abschluss: Die Hawkes Bay Show

Eigentlich war es geplant nur zwei Wochen auf der Farm von Bruce zu bleiben. Aber da vom 22. bis 24.Oktober die Hawkes Bay Show in Hastings stattfand wurde der Reiseplan kurzerhand geändert und der Aufenthalt um eine Woche verlängert. Die Hawkes Bay Show ist ein großes Event und wunderbar um einen Einblick in die Tier-und Farmwelt Neuseelands zu bekommen. Mein persönliches Highlight war der Schafscheerwettbewerb. Und man weiß, dass man in Neuseeland ist wenn Miss Hawkes Bay ein Schaf ist. Man kann Wolle begutachten, die prächtigsten Bullen, die schönsten Milchkühe, Autoscooter fahren oder weltklasse Reitern beim Springwettbewerb zuschauen. Die Show findet jedes Jahr statt und ist eine sehr gute Möglichkeit an einem Tag ein bisschen mehr von Neuseeland zu entdecken. http://showgroundshb.co.nz/hawkes-bay-on-show.php

Time to say: see you soon

Wie schon in meinem Vorbereitungsartikel beschrieben, neige ich dazu, an den Orten zu bleiben an denen es mir besonders gut gefällt. Wie der Zufall es will wurde mir hier nach 2 Wochen eine Vollzeitstelle als Pferdetrainerin angeboten. Wer kann da nein sagen;) Von den 20 Pferden sollen alle eingeritten und so gut trainiert werden, dass der Besitzer 12 von ihnen verkaufen kann. Im Alter von 76 Jahren hat er eingesehen, dass  20 Pferde dann doch ein bisschen zu viel sind und der Job kommt wie gerufen für mich. Außerdem wurde ich eingeladen Weihnachten mit ihnen im Beachhouse zu feiern. Wer kann da nein sagen;) Es ist also kein Abschied für lange und schon an Weihnachten komme ich zurück zu Bruce und seinen 20 Pferden.

Neuseelands Pferdewelt

In Neuseeland gibt es außerdem viele große Tunierställe und erfolgreiche Spring-und Dressurreiter. Sehr beliebt sind auch Pferderennen und man kann gut einen Job als Pferdepfleger in einem Rennstall bekommen.  Man wird kein großes Geld verdienen und meistens nur Jobs gegen Kost und Logis finden. Deswegen sollte man vorher seine Reiseprioritäten festlegen und wissen was einem wichtiger ist. Wenn ich mit anderen Reisenden rede, die ihre Tage mit Kellnern oder Fruitpicking verbringen, weiß ich sehr genau, dass ich lieber am Strand entlang galoppiere und dafür weniger Geld habe.

Für Pferdeliebhaber interessante Events sind die Equidays in Hamilton (vergleichbar mit der Equitana in Deutschland) und die Horse of the Year Show in Hastings. Wie in der deutschen Pferdewelt findet sich jede Reitweise in Neuseeland wieder. Man muss sich im Prinzip nur entscheidnen, ob man lieber im Turniersport, Trekking oder auf kleinen Farmen mit Pferden arbeiten möchte. Es gibt außerdem ein großes Pferdezentrum in der Nähe von Wellington, das immer gerne Reiter und Voltigierer aus aller Welt aufnimmt.

Mehr Informationen dazu hier: >> Kapiti Equestrian & Vaulting Center 

Hier weiterlesen:

>> zurück zu Teil 1 | Ein Anfang, wie er schöner nicht sein könnte…

>> zurück zu Teil 2 | Autokauf und Pre Paid Handys

>> Teil 4 | Ein Monat Roadtrip – Wandern und andere Abenteuer

>> Teil 5 |A Kiwi Christmas: Weihnachten in Neuseeland

>> Teil 6 | Der Alltag im Paradies: Arbeiten in Hawkes Bay 

Weitere Erfahrungsberichte von der Farmarbeit in Neuseeland

>> Lena’s Erfahrungsbericht vom Ranchstay in Neuseeland

Du willst auch das neuseeländische Farmleben hautnah erleben?

Dann informiere dich hier zum Thema Farmarbeit in Neuseeland und finde – je nach Bedarf – auch ein Farm- oder Rancharbeit Programm, das zu dir passt!

>> Weitere Informationen zu Farm- und Rancharbeit in Neuseeland

>> Aktuelle Farm- und Rancharbeit Programme für Neuseeland im Überblick

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Kategorie: Allgemein

Johanna

Über den Autor ()

Schon sehr früh hat sie entdeckt, dass außerhalb der Kleinstadt eine wunderbare Welt wartet und entdeckt werden muss. In Bussen und Zügen wurde Europa erkundet und auf unzähligen Couchsurfer-Sofas geschlafen. Nach zwei Jahren in Hamburg, im „normalen“ Leben in einem 40 Stunden Job als Bioglogisch-technische Assistentin war klar, dass die Welt und das Leben noch mehr zu bieten haben. Daraufhin kündigte die damals 23-Jährige um der Alltagsroutine zu entfliehen. Mit einer großen Leidenschaft für Pferde, Natur und das Farmleben bietet jeder Tag neue Abenteuer und Herausforderungen auf den Farmen dieser Welt. Nach 14 Monaten in Kanada reist sie nun durch Neuseeland und verbringt ihrer Zeit damit junge Pferde zu trainieren, Kühe zu melken, Kälber zu füttern und mit dem Quad über die hügeligen Wiesen zu fahren. Mal schauen, wo es sie danach hintreibt ;-)

Kommentare (2)

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  1. Teil 1 | "Ein Anfang wie er schöner nicht sein könnte..." | 19. April 2016
  1. Toller Artikel,
    hat Spaß gemacht zu lesen.
    Gerne mehr davon !

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