1 | Johannas Neuseeland-Blog: Farmarbeit am Ende der Welt Ein Anfang, wie er schöner nicht sein könnte...

| 20. Oktober 2015 | 3 Kommentare

Die ersten zwei Wochen auf einer Farm in der Nähe von Auckland

Johanna ist aktuell in Neuseeland als Work & Travellerin unterwegs und hat sich dazu entschieden, sich ihren Unterhalt mit der Farmarbeit zu verdienen. Sie liebt Pferde und die Arbeit an der frischen Luft. Sie berichtet regelmäßig hier im Magazin über ihre verschiedenen Etappen, Jobs und Erlebnisse. Zusätzlich hat sie immer wieder nützliche Tipps für andere Working Holiday Maker parat und lässt uns an all ihren Abenteuern teilhaben. In diesem Bericht erklärt sie, warum sie überhaupt so ein Farmarbeit-Fan ist und welche täglichen Aufgaben sie auf der ersten Farm in Neuseeland hat.

Rinder treiben vom Pferd aus.

Warum Farmarbeit

Für ein Work&Travel Jahr in Neuseeland gibt es viele Möglichkeiten und einen Job oder Saisonarbeit zu finden ist nicht besonders schwierig. Besonders beliebt unter Backpackern ist Früchte pflücken, Kellnern oder im Hostel aushelfen. Für mich besteht der Reiz des Reisens aber vor allem darin weg von anderen Reisenden zu kommen, raus aus der Stadt und in Kontakt mit den Menschen die seit vielen Jahren auf dem Land leben und arbeiten. Besonders ältere Menschen können so viele wunderbare Geschichten erzählen und einem die schönsten versteckten Orte zeigen. Ich glaube, dass es ein großes Problem der heutigen Zeit ist, dass wir den älteren Generationen nicht mehr Gehör schenken und uns von der Langsamkeit ihres Lebens abschrecken lassen. Aber wer könnte einem mehr über das Leben erzählen, als jemand, der seit 70 Jahren in dem Land lebt, das ich kennenlernen möchte? Ich möchte mit diesen Menschen leben, arbeiten, mit ihnen Abends ein Feierabendbier vorm Neuseeländischen Fernsehprogramm oder einen Tee vorm Kaminfeuer trinken, mir alte Fotos zeigen lassen, von ihnen lernen und für eine kurze Zeit Teil einer neuseeländischen Familie werden. Deswegen habe ich mich für die Arbeit auf Farmen entschieden, um in den 8 Monaten hier möglichst viel über das Land, die Menschen, Tiere und Pflanzen zu lernen. Ohne große Maschinen, ohne hochmoderne Melkstände und nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Wie ich meine Farm gefunden habe

Gefunden habe ich dir erste Farm über helpx.net. helpx ist vergleichbar mit Woofing. Bei helpx findet man allerdings nicht nur Farmen sondern auch Hostels, Familien die Babysitter brauchen oder Cafes. Die Internetseite ist sehr übersichtlich aufgebaut und es gibt detaillierte Beschreibungen, Bilder und Referenzen. Gegen ca. 4 Stunden Arbeit pro Tag bekommt man Kost und Logis und manchmal hat man die Möglichkeit länger zu arbeiten und etwas Geld zu verdienen. Da die Farm in der Nähe von Auckland ist bekommt die Besitzerin sehr viele Anfragen und ist nicht immer begeistert von ihren Helfern. Auf einer Farm für ca. 4 Stunden gegen Kost und Logis zu arbeiten soll nicht dazu dienen ein günstiges Bett und gutes Essen zu bekommen. Leider sehen es besonders in der Nähe der großen Städte viele Reisende einfach nur als Möglichkeit Geld zu sparen und sind nicht wirklich an der Farm, den Tieren, der Natur und der Familie interessiert. Leider geben so manche Farmbesitzer das Portal auf oder nehmen nur noch Reisende ab einem bestimmten Alter auf (z.B. nicht jünger als 22). Auf einer Farm wird dann gearbeitet wenn es nötig ist. Wenn ein Zaun repariert werden muss kannst du nicht nach 4 Stunden den Hammer hinschmeißen und den Zaun und die Tiere sich selbst überlassen. Nachfolgend habe ich deshalb 5 Tipps für dich, mit denen du einen unvergesslichen Aufenthalt in Neuseeland haben wirst.

Mein Tipps für einen unvergesslichen Aufenthalt:

Zahl 1Wenn du dich für Farmarbeit entscheidest solltest du dir sicher sein, dass es aus einem wirklichen Interesse heraus geschieht.

2_kleinSei offen für die Arbeit und zeige Bereitschaft etwas lernen zu wollen.

3_kleinStelle Fragen und sei interessiert,deine Hosts lieben es jungen Menschen etwas neues zu zeigen und beizubringen.

4_kleinBestehe nicht darauf nach 4 Stunden Feierabend zu haben. Und keine Sorge wenn du an einem Tag länger arbeitest bemühen sich die Hosts sehr darum dir dafür an einem anderen Tag mehr Freizeit zu geben.

5_kleinIntegriere dich in die Familie. Du bist in Neuseeland und lebst in einer Familie die so offen ist dich aufzunehmen. Verkrieche dich nicht in deinem Zimmer oder hänge vor dem Laptop. Schlafen und Lesen kannst du auch in Deutschland.

6_kleinVersuche deinen Ansprüche niedrig zu halten. Du bist nicht in einem Hotel und Beschwerden über das Essen oder den Komfort der Betten kommen gar nicht gut an. Genieße die Erfahrung und konzentriere dich auf das Positive!

Angekommen: Vom Flugzeug in den Melkstand

Nach 40 Stunden Flug von Amsterdam nach Auckland hat mich Denise, die Farmbesitzerin am Flughafen abgeholt und direkt mit auf ihre Farm genommen. Dort hieß es am nächsten Morgen um 6 Uhr aufstehen und Kühe melken. Es blieb also keine Zeit für Jetlag und ich wurde direkt in den Farmalltag hinein geschmissen.

Nach dem Frühstück beginnt der Tag damit die Käfige der Meerschweinchen zu verschieben und Hühner und Enten zu füttern. Danach werden die 10 Milchkühe gemolken und mit der Milch die 19 Kälber gefüttert. Nebenbei werden Schweine und Hühner gefüttert und Eier eingesammelt. Wenn alles erledigt ist gibt es erst mal ein zweites Frühstück und die Aufgaben für den restlichen Tag werden besprochen. Das Melken war direkt meine Lieblingsaufgabe und schon ab dem zweiten Tag durfte ich für die restlichen zwei Wochen alle Kühe alleine melken.

Junge Frau beim Kühe melken

Tägliche Aufgaben:

Morning Jobs: Käfige der Meerschweinchen verschieben, Kühe melken, Kälber, Schweine, Enten und Hühner füttern und Eier einsammeln

Evening Jobs: Mit dem Quad und einem Anhänger Heu für die Kühe, Pferde, Ponys und den Esel verteilen, Meerschweinchen füttern, Kälber füttern

Zwischen den täglichen Aufgaben sieht jeder Tag anders aus und das Farmleben birgt Überraschungen und Herausforderungen.

Kühe die nicht da sind wo sie hingehören und ein Kälbchen das nicht trinken will

Um für Essen und Unterkunft zu arbeiten reichen eigentlich ca. 3 bis 4 Stunden täglich aus, wenn man aber auf einer Farm lebt, kann man nie wissen was der Tag so bringt und die Tiere bestimmen wo es lang geht. Auf dieser Farm gibt es neben Milchkühen und Kälbern auch Rinder und Schafe. Typische Aufgaben sind Kühe treiben und aussortieren, sowie Zäune reparieren. Irgendwo ist immer ein Zaun kaputt und irgendwo ist immer eine Kuh die nicht da ist wo sie hingehört oder muss für die nächste Auktion aussortiert werden. Bei der Aufzucht der Kälber muss jeden Tag darauf geachtet werden, ob es allen gut geht und ich habe in der ersten Woche direkt alle Mittel und Wege kennengelernt mit denen man die Milch in ein Kalb bekommt das nicht mehr freiwillig trinken möchte.

„Pferde am Strand, Pferde zum Kühe treiben und das erste Mal auf der linken Seite fahren, natürlich mit Pferdeanhänger“

Neben vielen Kühen, Kälbern und Schweinen gibt es auf der Farm 16 Pferde die im Sommer für Trekking eingesetzt werden. Da ich mitten im Frühling angekommen bin bestand die Arbeit darin die jungen Pferde zu reiten, um herauszufinden ob sie für Gäste genutzt werden können. Gäste können verschiedene Ausritte buchen und am beliebtesten ist der Ausritt durch das Tal zum Strand. Die Ausritte sind aber nur ein kleiner Nebenverdienst, da der Hauptfokus der Farm auf Milchproduktion und der Rinderzucht liegt. Umso besser ist es dann, wenn sich reiten und Kühe treiben wunderbar kombinieren lassen und besonders die jungen Pferde dabei noch etwas lernen.

„Wenn alle Tiere gefressen haben ist Feierabend“

Die Farmbesitzerin sorgt nicht nur dafür, dass alle Tiere ausreichend gefüttert sind sondern kocht auch jeden Abend ein wunderbares Essen für alle Helfer. Und das Essen ist nicht nur lecker sondern auch abwechslungsreich und üppig. Am köstlichsten war der teure Zuchtbulle der wegen einem gebrochenen Bein geschlachtet werden musste und so auf unseren Tellern landete. Diese Farm ist definitiv kein Ort für Vegetarier, da es jeden Abend Fleisch gibt und die Besitzerin es bevorzugt nichts „extra“ kochen zu müssen. Außerdem muss man vielleicht einige Sauberkeitsstandards in Deutschland lassen, da Farmhäuser meist unordentlich und nicht besonders sauber sind. Da auch die Anziehsachen und Schuhe dreckig werden, gibt es eine Kiste mit alten Sachen die man sich leihen kann und Gummistiefel werden auch gestellt. So musste die ersten zwei Wochen der Rucksack fast gar nicht ausgepackt werden und Geld wurde auch noch keins ausgegeben.

Weihnachtsbäume verkaufen im Dezember

Ein weiterer Schwerpunkt der Farm liegt im Weihnachtsgeschäft. Es gibt fünf Paddocks mit je 3000 Weihnachtsbäumen. Diese wachsen so regelmäßig, dass jedes Jahr, täglich vom 01. bis zum 22.Dezember, Weihnachtsbäume verkauft werden können. Da dies ein Vollzeitjob ist werden die Helfer dafür bezahlt. Da ich mich gut mit der Farmbesitzerin verstanden habe und sie sich freut wenn ich wieder komme, habe ich so meinen ersten bezahlten Job sicher.

Junge Frau am Weihnachtsbaumverkaufsstand

Fazit nach den ersten zwei Wochen

Jeder einzelne Tag war so eindrucksvoll und aufregend. Bisher habe ich keinen Dollar dafür ausgegeben. Alleine die Kajaktouren, Strandausritte und Buschwanderungen haben den Aufenthalt auf der Farm unvergesslich gemacht. Auf dieser Farm habe ich definitiv mehr zurück bekommen als ich durch Arbeit geben konnte. Und „Arbeit“ kann man zuckersüße Kälber füttern oder mit dem Quad fahren um Heu zu verteilen eigentlich auch nicht nennen. Zusätzlich habe ich schon viel über die Tiere, Pflanzen und Menschen von Neuseeland gelernt und kann mir keinen besseren Weg vorstellen um Land und Leute kennenzulernen.

Hier weiterlesen:

>> zur Übersicht mit allen Erfahrungsberichten aus Neuseeland

>> Teil 2 | Johanna’s Tipps zum Autokauf & Prepaid Handykarten in Neuseeland

>> Teil 3 | Johanna’s Pferdejob in Neuseeland – Strandausritte & andere Träume

>> Teil 4 | Ein Monat Roadtrip – Wandern und andere Abenteuer

>> Teil 5 |A Kiwi Christmas: Weihnachten in Neuseeland

>> Teil 6 | Der Alltag im Paradies: Arbeiten in Hawkes Bay 

Weitere Erfahrungsberichte von der Farmarbeit in Neuseeland

>> Lena’s Erfahrungsbericht vom Ranchstay in Neuseeland

Aktuelles Farmarbeit-Programm für Neuseeland finden

Du bist auf der Suche nach einem Farm- oder Rancharbeit Programm für Neuseeland? Dann findest du hier aktuelle Angebote von verschiedenen Organisationen bzw. Veranstaltern. Informiere dich jetzt und finde ein passendes Farmarbeit-Programm für dich:

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Kategorie: Allgemein, Erfahrungsberichte & Interviews, Farm - & Rancharbeit, Farmarbeit mit Tieren, Working Holidays

Johanna

Über den Autor ()

Schon sehr früh hat sie entdeckt, dass außerhalb der Kleinstadt eine wunderbare Welt wartet und entdeckt werden muss. In Bussen und Zügen wurde Europa erkundet und auf unzähligen Couchsurfer-Sofas geschlafen. Nach zwei Jahren in Hamburg, im „normalen“ Leben in einem 40 Stunden Job als Bioglogisch-technische Assistentin war klar, dass die Welt und das Leben noch mehr zu bieten haben. Daraufhin kündigte die damals 23-Jährige um der Alltagsroutine zu entfliehen. Mit einer großen Leidenschaft für Pferde, Natur und das Farmleben bietet jeder Tag neue Abenteuer und Herausforderungen auf den Farmen dieser Welt. Nach 14 Monaten in Kanada reist sie nun durch Neuseeland und verbringt ihrer Zeit damit junge Pferde zu trainieren, Kühe zu melken, Kälber zu füttern und mit dem Quad über die hügeligen Wiesen zu fahren. Mal schauen, wo es sie danach hintreibt ;-)

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