Farmarbeit-Interview aus Kanada

Nachdem sie ihr Soziologie-Studium an der Universität Bielefeld abgeschlossen hatte, wollte Susanne unbedingt eine große Reise machen. Ihr Traumland: Kanada – die unberührten Naturlandschaften, die faszinierende Flora und Fauna und die Tierwelt des Landes haben sie schon immer gereizt. Um sich die Reise in das Land ihrer Träume finanzieren zu können und einen authentischen Einblick in die Kultur und die Lebensweise der Kanadier zu erhalten, entschied sie sich für Work and Travel – eine Kombination aus Arbeiten und Reisen. Vier Monate hat sie in Kanada verbracht und dabei sowohl den Osten als auch den Westen des bezaubernden Landes kennen gelernt. Es war eine Erfahrung für’s Lebe, die dank des kombinierten Arbeitens und Reisens noch nicht einmal ihren Geldbeutel belastet hat.

Susanne war in Kanada und hat auf einer Farm gearbeitet

Lest hier, wie Susanne ihren Aufenthalt organisiert hat, welche Aufgaben sie auf der Farm hatte und was ihre schönsten und herausfordernden Erlebnisse waren.

farmarbeit.de: Warum hast du für deinen Work and Travel Aufenthalt gerade Kanada ausgewählt?

Es war meine erste große Reise, die ich auf eigene Faust bzw. zum Teil mit einer Freundin geplant und durchgeführt habe. Daher war es mir wichtig, ein Land zu wählen, in dem man als Frau alleine bzw. zu zweit sicher reisen kann. Auch haben mich vor allem die Natur und das Wildlife dort gereizt: Die Wälder, die Rocky Mountains, das Tierleben, die Küste – Kanada hat einfach unheimlich viel zu bieten. Als Naturliebhaberin war das für mich genau das Richtige. Auch die Nähe zu New York war für mich ein wichtiger Punkt, denn dort wollte ich schon immer mal hin.

Kanadas Natur | Berge und Seen in Kanadafarmarbeit.de: Und wie sah deine Route aus?

Meine Reise begann in Toronto. Nach etwa einer Woche reiste ich für meinen ersten Job zu einer Farm, die etwa zwei Stunden von Toronto entfernt war. Nach meinem dreiwöchigen Aufenthalt auf der Farm ging es noch einmal zurück nach Montreal und von dort aus dann gemeinsam mit meiner Freundin nach New York! Anschließend flog ich nach Calgary, um von dort aus die Umgebung Albertas und British Columbia zu erkunden: Canmore, Edmonton, Banff Nationalpark mit den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel der Lake Louise. Für einen Monat habe ich dann in Banff gewohnt und dort in einer Pizzeria gearbeitet. Danach ging es nach Vancouver und Vancouver Island und schließlich wieder zurück nach Hause.

farmarbeit.de: Wie bist du an den Farm-Job gekommen?

Das war im Grunde sehr unkompliziert! Als ich in Toronto war, habe ich mich bei dem Netzwerk WWOOF angemeldet und recherchiert, was ich machen könnte. Ich wollte unbedingt auf eine Farm, da ich die Arbeit an der frischen Luft und die Natur liebe. Dann habe ich eine sehr interessante Anzeige von einer Farm in der Nähe gefunden und direkt eine E-Mail an den Farmbesitzer geschrieben. Es hat noch nicht einmal eine Woche gedauert – und schon konnte ich dort anfangen.

farmarbeit.de: Was für eine Farm war das?

Es handelt sich um eine Biofarm, die in erster Linie auf die Selbstversorgung der Familie ausgerichtet ist.  Es gibt dort zwei Milchkühe, Schweine, Hühner, Rinder und Katzen. Außerdem bauen die Farmbesitzer Gemüse an. Als ich dort ankam, war auch ein anderes Mädchen aus Deutschland dort, das schon länger auf der Farm gearbeitet hat. Wir haben zusammen in einer Art Wintergarten geschlafen. Es war sehr hilfreich, dass sie auch dort war, weil sie mich schnell in den Ablauf auf der Farm einführen konnte.

farmarbeit.de: Wie sah ein typischer Tag auf der Farm für dich aus? Und wie hast du die Aufgaben dort empfunden?

Der Tag auf der Farm begann für uns Farmhelfer um sieben Uhr morgens mit einem gemeinsamen Frühstück zur Stärkung für den anstehenden Tag. Unsere täglichen Aufgaben lagen hauptsächlich darin, die Tiere zu versorgen. Alle Tiere mussten einzeln gefüttert werden: Zum Beispiel mussten wir den einzelnen Schweinegruppen – je nach Alter und Größe der Gruppe – unterschiedliches Futter in verschiedenen Mengen geben. Das war, ehrlich gesagt, ganz schön anstrengend, da das Futter in den Eimern ganz schön schwer war. Bereits am zweiten Tag hatte ich höllischen Muskelkater.

Da es sich um eine Biofarm handelt, müssen die Tiere dort regelmäßig Auslauf bekommen.Auf einer Biofarm in Kanada mit Kühen und anderen Tieren arbeiten Auch dafür waren wir zuständig: Die einzelnen Schweinegruppen und die Kühe mussten nacheinander hinausgelassen werden und natürlich wieder reingeholt werden. In der Zwischenzeit säuberten wir die Ställe. Das war zum Teil wirklich nicht angenehm – besonders das Säubern der Schweineställe war sehr gewöhnungsbedürftig. Allerdings muss ich sagen, dass man irgendwann abhärtet – nach einer Zeit hat mich der Dreck kaum noch gestört.

Ansonsten fielen jeden Tag andere Aufgaben an. Sehr häufig mussten zum Beispiel auch hinter einem Traktor herlaufen, um Heuballen auf einen Wagen zu schmeißen – auch das war sehr anstrengend, vor allem, da es 30 Grad heiß war. Auch Gartenarbeit gehörte zu den regelmäßigen Aufgaben: Unkraut entfernen, Radieschen, Kartoffeln, Zwiebeln und Minze pflanzen und ernten. Jeden Samstag fuhren wir außerdem zu einem Wochenmarkt, wo wir unter anderem Eier und Fleisch verkauften. Die Eier mussten wir zuvor einsammeln und für den Verkauf fertig machen.

Manchmal passten wir auch auf die Kinder auf der Farm auf. Wir haben sie zum Beispiel zum Schulbus gebracht und abgeholt und nach der Schule in die Arbeit auf der Farm eingebunden. In der Regel arbeiteten wir bis ca. 17 oder 18 Uhr. In der Mittagszeit gab es eine längere Lunchpause.

farmarbeit.de: Das klingt nach einer Menge Arbeit. Hattet ihr zwischendurch auch mal Freizeit? Und wie viele Stunden habt ihr wöchentlich gearbeitet?

Wir hatten einen festen freien Tag in der Woche, an dem wir uns ausruhen durften. Auch gab es zwischendurch immer mal wieder Leerlauf, sodass wir in der Sonne ein Bier trinken konnten. Das war echt erholsam!

Insgesamt würde ich die wöchentliche Arbeitszeit auf ca. 30 Stunden schätzen – pro Tag arbeiteten wir also ca. fünf Stunden. Natürlich war das auch davon abhängig, wie viel gerade so zu tun war.

farmarbeit.de: Was war deine größte Herausforderung während der Arbeit auf der Farm?

Ich muss zugeben, dass ich am Anfang Verständigungsprobleme hatte. Zwar spreche ich recht gut Englisch, aber auf der Farm wird natürlich ein komplett anderes Vokabular verwendet. Ich war sehr froh, dass eine andere Deutsche dort war, die mir zu Anfang die wichtigsten Dinge übersetzen konnte. Im Endeffekt findet man sich dann doch sehr schnell in die Sprache ein.

Auch die schwere körperliche Arbeit in der Hitze war für mich eine große Herausforderung. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass ich von Tag zu Tag stärker wurde und die Aufgaben besser bewältigen konnte. In den ersten Tagen muss man aber definitiv mit Muskelkater rechnen!

Darüber hinaus musste ich mich an den Dreck und den Gestank in den Ställen erst einmal gewöhnen. Zum Schluss härtet man aber wirklich ab und sieht die positiven Dinge, sodass die Aufgaben zum Schluss sogar richtig Spaß machen.

farmarbeit.de: Was waren deine besonderen Highlights auf der Farm?

Da gab es eine ganze Menge! Als erstes fällt mir das Essen ein: Da die Farm fast komplett aus eigener Produktion lebt, war das Essen einfach köstlich. Eigene Milch, eigene Butter, eigener Käse, immer frisches Gemüse sowie Eier und Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren – das war wirklich toll!Susannes Highlight: Süße Tierbabys, wie zum Beispiel Kälber Wenn man abends am Tisch sitzt und das leckere Essen genießt, für das man selbst gearbeitet hat, ist das richtig zufriedenstellend.

In Erinnerung werden mir auch immer die süßen Tierbabys bleiben: Kleine Katzen, neugeborene Ferkel und zwei unglaublich süße Kälber der Milchkühe. Ein besonders schöner Moment war es, als wir die 120 neugeborenen Küken das erste Mal mit der Hand nach draußen bringen durften. Das werde ich nie vergessen!

farmarbeit.de: Für die Arbeit auf der Farm hast du kein Geld bekommen, obwohl du viele Stunden täglich gearbeitet hast. Im Gegenzug hast du jedoch freie Unterkunft und Verpflegung erhalten. Inwiefern steht die geleistete Arbeit im Verhältnis zu dem, was man dafür bekommt?

Ich kann natürlich nur für die Farm sprechen, auf der ich selbst gearbeitet habe. Ich finde, dass wir sehr fair behandelt wurden. Natürlich haben wir harte Arbeit geleistet – aber dafür haben wir unglaublich viel erlebt! Im Gegenzug haben wir nicht nur eine gemütliche Unterkunft erhalten, sondern auch wirklich leckeres und gutes Essen. Außerdem hat uns der Farmbesitzer auch zu Veranstaltungen in der Umgebung mitgenommen, sodass wir einen guten Einblick in das Farmleben Kanadas erhalten haben. Ich habe auf der Farm viele Dinge gemacht, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gemacht habe – zum Beispiel durfte ich auch Kühe melken und Traktor fahren. Natürlich gab es Momente, in denen die Arbeit wirklich anstrengend war. Aber dafür gab es auch sehr viele andere Momente, die ich nicht missen möchte! Insgesamt ist das eine echte Erfahrung für’s Leben, die ich nur empfehlen kann!

farmarbeit.de: Nach deinem Job auf der Farm hast du außerdem in einer Pizzeria in Banff in den Rocky Mountains gearbeitet. Wie bist du an den Job gekommen?

Ganz klassisch: Ich bin mit meinem Lebenslauf von Restaurant zu Restaurant gelaufen und habe mich vorgestellt. Die Pizzeria war die letzte Station – und siehe da: Es wurde dringend ein „Dishwasher“ benötigt. Ich konnte direkt am selben Tag anfangen. Nachdem ich zwei Tage als Tellerwäscherin gearbeitet hatte, hat man mich – aufgrund meiner guten Englischkenntnisse und Vorerfahrung in der Gastronomie – direkt im Service eingesetzt. Da habe ich auch wirklich gut verdient – inklusive Trinkgeld und täglicher Mahlzeiten.

farmarbeit.de: Vielen Dank für deine super Insider-Informationen! Noch eine abschließende Frage: Hast du einen Tipp für unsere Leser, die in Kanada als Work and Traveller auf einer Farm arbeiten möchten?

Wenn man auf einer Farm in Kanada arbeiten will, sollte man offen für ganz neue Erfahrungen sein. Wichtig ist auch, dass man keine Scheu hat, sich die Hände dreckig zu machen – im wahrsten Sinne des Wortes. Es schadet nicht, sich vorher mit dem Vokabular auseinander zu setzen. Allerdings lernt man vor Ort eigentlich alles, was man braucht!

Für diejenigen, die Lust haben, freiwillige Arbeit auf einer Farm zu leisten, kann ich WWOOFing wirklich sehr weiter empfehlen. Es gibt dort viele Angebote – und in der Regel klappt das ganz spontan! Was mir auch gut gefallen hat, ist dass es beim WWOOFing einige Regeln gibt. Die Hosts gehen mit der Registrierung das Versprechen ein, dass sie den Volontären eine trockene, warme  und saubere Unterkunft sowie adäquates Essen bieten. Man hat durch die Registrierung bei diesem Netzwerk irgendwie ein besseres Gefühl. Schließlich ist es das Zuhause einer fremden Person, in dem man vorübergehend wohnen wird. Auch kann man sich bei der Organisation beschweren und Bewertungen über Farmer abgeben. Andersherum können die Farmer auch die Farmhelfer bewerten. Das ist ein sehr faires System.

Ach ja, und was den Muskelkater und die Verständigungsprobleme in den ersten Tagen angeht: durchhalten – das wird besser!

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